Nach der Scheidung von Nicole Kidman war Scientology nicht mehr nur über Michael Doven präsent, sondern begann über einen neuen Agenten Tom Cruise direkt zu steuern: Tommy Davis war der Mann der Stunde.
Der Sohn der Schauspielerin und Scientologin Anne Archer ist einerseits nicht-uniformiertes Mitglied der paramilitärischen Sea Org, firmierte andererseits als Kopf des Celebrity Centers von Scientology und „läuft“ direkt unter David Miscavige. Er übernahm nicht nur die Agenden von Doven, sondern dirigierte Cruise im Sinne von Scientology bzw. David Miscavige: wen sollte Cruise treffen, bei wem sollte er bezüglich was intervenieren usw.
Davis war mit 17 Jahren zu Scientology gestoßen und nachdem er das College abgebrochen hatte, unterschrieb er einen 1-Milliarde-Jahre-Standardvertrag der Sea Org. Obwohl er ein Spezial-Mitglied dieser Scientology-Elitevereinigung ist – Aussage von Davis gegenüber dem Magazin Rolling Stones: „Ich habe genug Geld, um in meinem Leben nichts mehr arbeiten zu müssen“ -, in den letzten Jahren als der Scientology-Sprecher agierte, ist Davis seit über einem halben Jahr aus der Öffentlichkeit verschwunden. Man kann annehmen, dass er im Straflager von Scientology, dem RPF verschwunden ist.
Vor 10 Jahren war er als „Freund“ von Tom Cruise noch sehr aktiv, was die Kontakte zur US-Regierung und einzelnen Botschaften oder europäischen Regierungen betraf. Richard L. Armitage, der von 2001 bis 2005 als stellvertretender US-Außenminister fungierte, war anfangs einer der „Hauptziele“ von Scientology-OAS-Cruise-Davis, wie ein Brief von Tom Cruise an ihn zeigt – zuvor hatten sich Tom Cruise und Tommy Davis, sowie der OSA-Mann Kurt Weiland, zu einer Audienz mit Armitage getroffen …
Nach 2005 verfügte man über ein genügend großes „Netz“, um Tom Cruise noch effektiver einsetzen zu können – Tom Cruise wurde zum Synonym von Scientology, sprang nicht nur auf Couches herum, sondern traf sich u.a. mit Nicolas Sarkozy und anderen hochrangigen Politikern usw. – das Thema war immer „Scientology“ und Tommy Davis war mit von der Partie.
Marty Rathbun zauberte aus seinem Fundus – Was da wohl noch alles drinnensteckt? – eine Nachricht von Tommy Davis an OSA heraus, in dem sich dieser 2006 u.a. am Plan von Mike Rinder (der damals noch OSA-Chef war) bezüglich Mission Impossible III (MI3) interessiert zeigte, um derart „am Laufenden zu sein, da Mr. Cruise und ich jede Menge an Kommunikation diesbezüglich haben“.
Dann ging es darum, dass Tom Cruise bessere Briefings bezüglich CCHR (Scientologys Anti-Psychiatrie-Bewegung) verlangte und dass er diese nicht bekommen hatte. Und wenn, „dann waren sie ‚unterdrückerisch‘, da voller Missverständnissen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich darum kümmern werde. Außerdem habe ich ihn ein wenig bezüglich der laufenden CCHR-Kampagne und dem Artikel in der TIME informiert“.
Und dann fragte Tommy Davis gezielt nach Vorgaben: „Auf der anderen Seite würde ich gerne ein neues Briefing für ihn (Tom Cruise) in Bezug auf die Resultate der PR-Kampagnen bekommen“. Danach fragte Davis nach Zahlen – Wie viele Jugendlich von Drogen wegkamen usw. -, bevor er schlussfolgerte: „Die MI3-Pressetour läuft an und wir sollten bereit sein und alles vorbereitet haben. Das bedeutet Briefings in Bezug darauf, was in Europa, Japan, Mexico passiert, Umfragen aus diesen Gegenden, ‚Buttons‘ usw.“
Tommy Davis weiter: „Er (Tom Cruise) hat mich danach gefragt, ob ich nicht für ihn eine Botschaft an Sarkozy entwerfen könnte (er ist glaube ich Innerminister im Moment) und dann ist da noch Pinault (der französische Milliardär, den Tom auf der Colleteral-Tour kennengelernt hat und dem FNAC gehört, einem der wichtigsten Unternehmen im Bereich Elektronik, Musik, Bücher usw. in Europa) und beide sind Franzosen.
Was wollen wir dort machen?
Was ist mit Spanien?
Ich möchte nicht, dass der COB (David Miscavige) das alles festlegen muss, denn wir beide wissen, dass er das tun wird, wenn wir es nicht tun.
COB hat klargemacht, dass in erster Linie der Film promoted werden soll und Sie-der-größte-Leinwandstar-aller-Zeiten. …
Im Übrigen brauchen wir die exakten DA-Dokumente (Dead Agenting – eine OSA-Methode), die wir bei Interviews einsetzen können, … wenn es z.B. um die ‚Stille Geburt‘ geht oder einfach um Psychiater.“
Dann schrieb er darüber, dass die „Statistiken“ von Cruise als Star gepusht werden müssten, um dann folgendermaßen fortzufahren: „Ich möchte ausarbeiten, wie man diese ‚Jahresrückblick“Leute angreifen kann, die behaupten dass er (Cruise) ‚der Irritierendste‘ oder ‚der Ärgerlichste (Mann des Jahres)‘ war“.
Dabei war ihm wichtig, dass „es nicht so aussah, als ob Tom Cruise selbst dagegen vorging“ und er monierte weiter: „Die beginnen immer tiefer zu graben und stellen Fragen danach, warum er (Cruise) in den letzten 10 Jahren nie einen Publikumspreis gewann“.
Dann schloss Davis mit der Feststellung, dass „mehr Druck ausgeübt werden musste – sozusagen als Gegendruck der Medien“ und der Ankündigung, dass „er nach seiner Rückkehr kommen würde, um alles zu besprechen“.
Hier der Link zur Original-Nachricht auf Rathbuns Page …
Fotos: splashnews, Wikipedia, Screenshot
Übersetzung des Tom Cruise-Briefes an Richard L. Armitage: „Sehr geehrter Mr. Armitage, zunächst möchte ich Ihnen für den jährlichen Bericht des Außenministerium über Menschrechte und Religionsfreiheit danken, der unentbehrlich ist, um auf die Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Wie mir Helen Davis von Ihrem Büro mitteilte, lassen sich unsere Zeitpläne während meines Aufenthaltes in Washington Mitte Juni leider nicht miteinander vereinbaren. Angesichts der Weltlage und besonders, weil der Präsident und der Außenminister Powell sich im Ausland befinden, sind mir die außerordentlichen Schwierigkeiten bewusst, die für Ihre Zeit und Termine bestehen.
Wie Sie vielleicht wissen, befasse ich mich seit einiger Zeit mit Menschenrechten und der Religionsfreiheit in Europa. Angehörige meiner Kirche, darunter amerikanische Künstler, werden weiterhin diskriminiert, besonders in Deutschland, Frankreich und Belgien. Ich habe es auf mich genommen, mich über diese Dingen zu informieren und mich im Hinblick auf die Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten. Daher begrüße ich Ihre Empfehlung für ein Zusammentreffen mit Botschafter Handford sehr, und bin mir auch sicher, dass ein Gespräch mit ihm hilfreich sein würde. Offen gesagt, bin ich aber in erster Linie an einem Gespräch mit Ihnen interessiert.
Ihre Tätigkeit in der Vergangenheit und Ihre Aufgaben als Stellvertretender Außenminister sind mir bekannt, und ich bin sicher, dass ich Ihnen ohne großen Zeitaufwand mitteilen kann, was ich auf dem Herzen habe.
Ich meine, dass wir etwas erreichen könnten, wenn wir in dieser Sache zusammenarbeiten. Sie müssen von Ihren Botschaftern erfahren haben, dass ich den US-Botschaften in Deutschland, Frankreich und Spanien im letzten Jahr eine Reihe von Besuchen abgestattet und mit jedem Botschafter über die Probleme der religiösen Intoleranz in diesen Ländern gesprochen habe. Für die Unterstützung, die ich durch den Botschafter Argyros in Madrid erhielt, bin ich sehr dankbar, und ich freue mich sagen zu können, dass die mit ihm erörterte Situation inzwischen vollständig gelöst wurde. Botschafter Coats und seine Mitarbeiter haben mich ebenfalls wieder sehr unterstützt, und ich bin den Bemühungen des US-Botschaftspersonals in Paris dankbar.
Die Situation in diesen Ländern beobachte ich in der Tat genau und im Lauf des letzten Monats habe ich von Versuchen erfahren, die Auftritte zweier amerikanischer Künstler allein deshalb zu sabotieren, weil sie Angehörige der Church of Scientology sind. Gerne würde ich Ihnen über diese Situation im einzelnen berichten, aber Vorfälle wie in Deutschland und Frankreich werden seit einem Jahrzehnt in den Berichten des Außenministeriums über die Menschenrechte verzeichnet.
Scientology ist in den Vereinigten Staaten als voll und ganz steuerbefreite, echte Religion anerkannt. Doch diese Aktionen durch deutsche Behördenmitarbeiter sind leider repräsentativ für die Intoleranz, der sich Angehörige meiner Religion und andere Minderheitsreligionen in Deutschland gegenübersehen. Religionsfreiheit ist für mich – wie für jeden echten Amerikaner – sehr wichtig. …
Schließlich muss ich im Januar nach Europa reisen, um für meinen nächsten Film zu werben, und ich beabsichtige, erneut mit unseren Botschaftern in Frankreich, Deutschland und eventuell Belgien zusammenzutreffen. Ich will mit ihnen zusammen Druck auf die Nationen ausüben, damit diese Angelegenheiten durch einen intensiven Dialog und verstärktes Handeln gelöst werden.
Allerdings ist diese Situation trotz der Umstände meiner Europabesuche für mich keinesfalls eine Publicity-Aktion. Es ist eine Angelegenheit, die sowohl wichtig ist, als auch mich persönlich angeht und deshalb bemühe ich mich um die Unterstützung meiner Regierung in der Hoffnung, eine Lösung für eine Lage zu finden, die zu einer betrüblichen und unnötigen Menschenrechtssituation geworden ist. Wie Sie wissen, rechne ich damit, um den 11. bis 13. Juni in Washington, D.C. zu sein. Ich weiß, dass Sie an diesen Tagen keine Zeit haben; ich bin aber daran interessiert zu erfahren, an welchen anderen Tagen ich Sie erreichen kann. Ich bemühe mich auch um ein Treffen mit Vizepräsident Cheney in dieser Sache, während ich in Washington bin. … Hochachtungsvoll, Unterschrift Tom Cruise.“

